Peking – Verbotene Stadt, Platz des Himmlischen Friedens, Sommerpalast… was noch?

Hier wird die Grösse und Macht Chinas spürbar. Peking. Hauptstadt der Volksrepublik China und eine der grössten Metropolen der Welt. Faszinierend und furchterregend zugleich. Das politische Zentrum mit 3000-jähriger Geschichte und kulturellem Welterbe ringt wie die gesamte Nation um und mit dem Fortschritt – und dessen Folgen. Eine Reise ist Peking – gerade auch deshalb – allemal wert.

Der Verkehr kommt kaum voran – obschon die Strasse zehnspurig ist. Und von der Stadt noch keine Spur. Bäume links und rechts. Viele offensichtlich frisch oder vor nicht allzu langer Zeit gepflanzt. „Die Sichtweite beträgt im Moment etwa vier Kilometer“, erklärt der Taxifahrer. Der Smog erlaubt keinen Blick in weitere Ferne. Deshalb ist oben auch kein blauer Himmel zu sehen. Die Sonne scheint diffus durch einen milchig-beigen Schleier.

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Wie so oft erlebt man den ersten Eindruck eines Landes nach der Ankunft auf dem Flughafen, auf der Fahrt zum Ziel. Nach zwei endlosen Ankunfts-Abfertigungs-Stunden im Beijing Capital International Airport und mit erheblichem „Jet Lag“ endlich unterwegs zum Hotel in Peking, benommen von der kurzen Nacht, der Zeitverschiebung – und der schieren Grösse dieser Stadt …

Nicht einschlafen!

Jetzt bloss durchhalten! Nicht einschlafen! Sonst ist der verschobene Tag-Nacht-Rhythmus vollends dahin. Und wie so oft bewährt es sich, wenn auch etwas benommen, zu Fuss eine Erkundungstour durch das Hotel umgebende Quartier zu unternehmen. Westliche Touristen sind deutlich seltener als etwa in Städten wie Hongkong und sie konzentrieren sich eher auf die bekannten Sehenswürdigkeiten hier in der Hauptstadt der Volksrepublik China.

An einer Strassenecke spricht uns ein Mann in recht gutem Englisch an, kommt ins Gespräch und stellt Fragen. Werden wir verhört? Ausgehorcht? Verunsicherung … China ist keine Demokratie … Nein, der Passant ist ehrlich, einfach neugie-rig – und äussert sich erstaunlich regierungskritisch. Gleichzeitig ist er auch hörbar stolz auf sein Land. Fast alle Autos in der Strasse sind mit einer beigen Staubschicht überzogen. „Vom Smog?“, fragen wir. Der Mann verneint. „Letzte Woche fegte ein Sandsturm über Peking.“

Bäume gegen Staub

Dann folgen überraschende Erklärungen des freundlichen chine-sischen Passanten. Früher hätten im Schnitt vier bis sechs Sandstürme pro Jahr enorme Staubmengen von der Wüste Gobi in der benachbarten Mongolei nach Peking verfrachtet. „Heute passiert dies vielleicht noch einmal pro Jahr.“ Grund seien die erfolgreichen Aufforstungs-Bemühungen auf riesigen Gebieten Nordchinas. „Diese neuen Waldungen und Baumreihen zum Brechen des Windes haben den Boden stabilisiert; nun kann viel weniger Staub und Erdreich aufgewirbelt werden“, sagt der Passant – und verkneift sich nicht eine kritische Bemerkung dem „Westen“ gegenüber: „Die Amerikaner und Europäer zeigen dauernd mit dem Finger auf China und kritisieren unsere Umweltverschmutzung. Na schön. Aber dann sollen sie in ihren Medien genauso zeigen, dass China auch sehr viel und immer mehr unternimmt für den Umweltschutz. Die Abermillionen von Bäumen, die wir jedes Jahr neu pflanzen und damit unsere Wälder vergrössern und Gebirgshänge stabilisieren, die sind nur ein Beispiel.“

Kaum einige Stunden in der Stadt und schon viel gelernt. Tatsächlich bestätigt sich das Gesagte einig Tage später bei einer Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug in die weit entfernte Metropole Hangzhou. Der Blick aus dem Fenster zeigt über Hunderte von Kilometern, dass in weiten Landstrichen Millionen von neuen Bäumen gepflanzt werden, sei es zu kleinen Waldstücken oder Baumreihen. Die Volksrepublik hat erkannt – musste erkennen, dass es so mit der Umweltbelastung nicht weitergehen kann; denn deren Folgen sind mittlerweile so kata-strophal, dass sie auch die chinesische Wirtschaft massiv belasten. Diese Erkenntnis und vor allem die damit verbundenen konkreten Massnahmen, die in ihrer Dimension alles sprengen, was ich mir vorstellte, lassen hoffen. Doch der Weg ist noch lang – sehr lang.

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Bahnsinniges Erlebnis

Die Fahrt in chinesischen Hochgeschwindigkeitszügen – das Check-in am Bahnhof Peking erinnert an einen Flughafen – ist ein Ereignis für sich. Von Peking geht es mit der chinesischen Eigenkonstruktion CRH380A, dem schnellsten Zug der Welt, nach Shanghai und Hangzhou. Das nicht getunte Serienfahrzeug sorgte 2010 weltweit für Aufsehen, als es bei Tests eine Geschwindigkeit von 486 km/h erreichte – Weltrekord. Damit nähert sich China seinem Vorhaben, zukünftig Züge mit 500 Sachen im regulären Fahrplan einzusetzen. Tatsächlich bringt einem die Fahrt mit dem 380A innert weniger als 6 Stunden trotz mehrerer Stopps 1400 Kilometer entfernt von Peking. Der faszinierte Blick aus dem Fenster sieht die Fortbewegung denn auch eher als Tiefflug denn als Fahrt …

Die Eisenbahn ist das wichtigste Transportmittel in China. Etwa zwei Drittel des Passagierverkehrs und die Hälfte des Güterverkehrs werden mit der Eisenbahn bewältigt. Wichtige Hauptstrecken des umweltfreundlichen Transportmittels werden seit einigen Jahren erneuert, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. So ist das Hochgeschwindigkeits-Streckennetz mittlerweile auf eine Länge von rund 8000 Kilometern angewachsen und soll sich bis 2020 auf 16’000 Kilometer verdoppeln. Entsprechend kauft China fleissig Hochgeschwindigkeitszüge ein, wie beispielsweise den japanischen Shinkansen, den deutschen Velaro und den Transrapid. Damit wird auch Know-how eingekauft für eigene Produktionen, wie den 380A.

Kollision der Gegensätze

Doch zurück nach Peking. Die Stadt gehört mit über 20 Millionen Menschen im gesamten Ballungsgebiet zu den grössten Metropolen der Welt. Entsprechend klein fühlt man sich als Mitteleuropäer beim bisweilen stundenlangen Durchqueren des endlosen Häusermeers in den oft verstopften vielspurigen Strassen. Ein eigentlicher Stadtkern, wie er angezeigt durch Ballungen von Wolkenkratzern typisch ist für amerikanische Städte, existiert hier nicht. Ohne viel System ragen hier und dort immer wieder gigantische Wohn- und Bürotürme aus Beton und Glas einzeln oder in Gruppen in die Höhe, erschreckend durch ihre düstere Grösse und Wucht, faszinierend oft durch die ungewohnte und unkonventionelle Architektur.

In Peking – auch auf Deutsch oft „Beijing“ genannt, prallen die Gegensätze von Moderne und Tradition in voller Wucht aufeinander. Fahrräder mit ihren Klingeln, vor 25 Jahren noch die absolut dominierenden Vehikel in den Strassen Pekings, gehen heute in den ohrenbetäu-benden Blechlawinen der Hauptstadt förmlich unter; die Fahrt auf ihnen erscheint wie ein Balanceakt zwischen Leben und „Leben lassen“. Klapprige und vor allem wacklige dreirädrige Zweitakter zum Transport von Waren und Personen kreuzen sich mit modernen Geländewagen, Bussen und Lastwagen in einer Weise, dass einem vom blossen Hinsehen schwindelt. Deutsche Autos der gehobenen Mittel- und der Luxusklasse mischen sich in erstaunlich grosser Zahl in den stockenden Strassenverkehr.

Die Verbotene Stadt

Verbotene Stadt, Platz des Himmlischen Friedens, Sommerpalast. Dies sind zweifellos drei der bekanntesten Stichworte für Peking. Die Verbotene Stadt ist ein durch eine Mauer abgegrenzter Bereich im Stadtzentrum. Der Name „Verbotene Stadt“ hat jedoch längst nur noch historische Bedeutung, denn seit der Absetzung des letzten chinesischen Kaisers ist die Verbotene Stadt auch für normale Bürger zugänglich. Als eine der bekanntesten Pekinger Sehenswürdigkeiten wird sie heute von tausenden Touristen täglich besucht. Der Haupteingang zur Verbotenen Stadt ist das Tor des Himmlischen Friedens, auf Chinesisch „Tiananmen“ genannt. Es ist das Tor, das dem Platz davor seinen Namen gab …

Auf Chinesisch wird die Verbotene Stadt zumeist nach ihrem wichtigsten Gebäude benannt: dem Kaiserpalast von Peking. Dieser befindet sich innerhalb der Stadtmauern der Verbotenen Stadt. Er ist das grösste und wichtigste Gebäude und war über viele Jahrhunderte Wohnsitz der Kaiser des chinesischen Imperiums. Nebst dem Kaiserpalast stehen noch weitere 890 historische Gebäude in der Verbotenen Stadt.

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„Himmlischer Friede“?

Gleich angrenzend und durch den Eingang zur Verbotenen Stadt, das Tor des Himmlischen Friedens angedeutet, liegt der Platz des Himmlischen Friedens. Es waren die chinesischen Kommunisten, die den riesigen Platz, auch Tiananmen-Platz genannt, bauen liessen, nachdem sie den chinesischen Bürgerkrieg gegen die Regierung der Republik China gewonnen hatten. Während die Überreste der republikanischen Chinesen auf Taiwan einen neuen Staat aufbauten, liess Mao Tsetung in Peking den Tiananmen-Platz errichten, um hier Massenaufmärsche mit über einer Million Teilnehmern abhalten zu können. Bis heute ist der Platz des Himmlischen Friedens einer der grössten befestigten Versammlungsplätze der Welt. Hier wurde von Mao Tsetung die Volksrepublik China ausgerufen und während der Kulturrevolution jugendliche Massen zu Terroraktionen angestachelt. Auf dem Tiananmen fanden 1989 auch die kurz darauf von der Regierung blutig niedergeschlagenen Studentenproteste statt.

Noch heute ist der Tiananmen-Platz für die Volksrepublik China symbolisch ein höchst bedeutsamer Ort. Erkennbar ist dies auch an den zivil gekleideten „Undercover“-Beamten. Die Sorge der Regierung vor plötzlichen Versammlungen oder Protestkundgebungen scheint ungebrochen. Rund um den gewaltigen Platz befinden sich zahlreiche Kultur-, Regierungs- und Parteigebäude. Hier liegt das Nervenzentrum des Reichs der Mitte. Hier steht unter anderem die „Grosse Halle des Volkes“, wo der Chinesische Nationale Volkskongress tagt, offiziell das höchste Entscheidungsorgan der Chinesischen Kommunistischen Partei und damit Chinas überhaupt.

Zu Pekings berühmtesten Sehenswürdigkeiten gehören auch der Alte und der Neue Sommerpalast. Vom Alten Sommerpalast sind nur noch Ruinen übrig. Doch diese und die prächtigen Gartenanlagen lassen sich besichtigen. Der Neue Sommerpalast, oft einfach „Sommerpalast“ genannt, wurde nach seiner Zerstörung im Jahre 1860 teilweise wieder aufgebaut, ist heute grossenteils renoviert und für den Tourismus zugänglich. Beide Sommerpaläste liegen nordwestlich der Innenstadt, nur rund fünf Kilometer voneinander entfernt.

Die Grosse Mauer

Gut erreichbar von Peking aus ist auch die Chinesische Mauer, ein unfassbar gewaltiges Bauwerk, nach neuesten Erhebungen über 21’000 Kilometer lang. Ihr Bau begann im 7.Jahrhundert v. Chr. und dauerte in verschiedensten geografischen und zeitlichen Abschnitten über 2000 Jahre.

Hinsichtlich Volumen und Masse gilt die chinesische Mauer als das grösste Bauwerk der Welt. Dabei besteht die Mauer aus einem System mehrerer teilweise auch nicht miteinander verbundener Abschnitte unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Bauweise, deren Hauptmauer 2400 Kilometer lang ist. Insgesamt zieht sich die Mauer, welche die Mongolen vom Einfall ins Chinesische Reich abhalten sollte, durch 15 Provinzen, autonome Gebiete und Städte.

Viele grössere Hotels in Peking bieten Tagesprogramme an, um die Chinesische Mauer zu besuchen und zu besteigen. Mit Fernverkehrs-Bussen lassen sich auch individuelle Ausflüge zur Mauer unternehmen und Taxis bieten ebenfalls ihre Fahrdienste an. Nördlich von Peking gibt es eine ganze Reihe von Dörfern, die sich auf den Tourismus an der Mauer spezialisiert haben. Von Peking aus am besten erreichbar und nur rund 70 Kilometer entfernt liegt die Grosse Mauer bei Badaling. Hotels am Fuss der Mauer bieten Übernachtungsmöglichkeiten an. Denn im Reich der Mitte einen Sonnenaufgang an der Grossen Mauer zu erleben – das kann ein echter Höhepunkt einer Peking- und China-Reise sein …

Informationen

Peking ist nicht nur die chinesische Hauptstadt, sondern auch eine der touristischen Hauptstädte des Landes. Die beste Reisezeit ist im Frühling und Herbst. Im Winter kann es bitterkalt sein und der Sommer ist drückend heiss. Zudem kann der Smog im Sommer und Winter fast unerträglich und gesundheitsschädigend sein. Dieses Risiko besteht allerdings zu jeder Jahreszeit mehr oder weniger ausgeprägt.

Sicherheit: Peking ist eine sichere Stadt, die Kriminalitätsrate ist tief. Allerdings fallen die Bewohner nicht gerade durch überschwängliche Herzlichkeit und häufiges Lächeln auf. Zudem ist China keine Demokratie. Freie Medien gibt es nicht, Zensur ist allgegenwärtig.

Online: Zahlreiche westliche Internetanbieter und soziale Medien, wie Google, Hotmail, YouTube, Facebook und Twitter sind blockiert. Eine gewisse Kommunikationsfreiheit haben die Chinesen-untereinander in chinesischen sozialen Medien, die analog zu den westlichen funktionieren. Doch auch hier liest Väterchen Staat natürlich mit.

Einreise: Zur Einreise nach China ist ein Visum erforderlich.

Währung: Die chinesische Währung ist der Renminbim, (auch: Yuan). Ein Franken entspricht knapp 7 Yuan. Geld abheben in Peking ist problemlos mit Visa oder MasterCard, vielerorts werden Kreditkarten auch als Zahlungsmittel akzeptiert.

Steckdosen: Können verschiedene Stecker-Formate aufnehmen, unter anderem auch die die zweipolige europäische und oft sogar die dreipolige Schweizer Variante. Ein Stecker-Adapter für Peking ist somit höchstens von 3- auf 2-Pol nötig.

Einige hilfreiche Links:

www.peking-china.de

www.chinatours.de/peking

www.chinaseite.de/china-reise/peking.html

http://pekingreisen.com

www.hochgeschwindigkeitszuege.com/china/china.php

http://en.bcia.com.cn/

www.china-embassy.ch/ger/lsfw/sbqz

Bildlegenden:

Teilabschnitt der Chinesischen Mauer bei Peking

Sommerpalast

Bilder: shutterstock, ZVG

Text: Hans Peter Roth

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