Lappland – Den Norden erleben – zwischen Polarlicht und Schneetöff-Touren

Wenngleich im Sommer zeitweise die Sonne 24 Stunden am Himmel steht, so scheint sie im Winter Urlaub zu machen. Am Polarkreis und nördlich davon lässt sie sich zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar kaum blicken, dennoch herrscht für rund vier Stunden eine diffusen Lichtstimmung. Geheimnisvoll. Aufregend, sagen die einen, ungastlich die anderen – aber eine einmalige Stimmung, die damit einhergeht, sagen alle.

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Reisen in den Norden, nach Skandinavien, waren bis vor einigen Jahren ausgesprochene Sommerreisen. Der Winter wurde gemieden. Zu kalt, trist und ewig dunkel – so die landläufige Meinung. Sicherlich, es herrscht in den Wintermonaten an manchen Tagen klirrende Kälte und das Quecksilber ist nicht schüchtern, auch Temperaturen von –20° und mehr anzuzeigen. Eine trockene Kälte, gegen die man sich gut schützen kann und für die verantwortungsvolle Reiseveranstalter zusätzliche Kleidung zur Verfügung stellen, wenn es darum geht, Outdoor Aktivitäten durchzuführen. Trist, der skandinavische Winter ist trist? Zugegeben, die Vielfalt der sommerlichen Farben, geprägt durch wild wachsende Blumen, die realen und optischen Unterschiede zwischen offenen Gewässern, schroffen Bergformationen, weiten Wiesen und tiefen Wäldern – diese Unterschiede werden im Winter nicht so wahr genommen. Wenn jedoch die Skier oder Schlitten über gefrorenen Seen gleiten, Schneewehen den Weg kreuzen, Stosszahn grosse Eiszapfen an den Hütten hängen, dann verliert die zitierte Tristesse des Winters schnell an Aussagekraft.

Bleibt nur noch die Dunkelheit

Dem Winter des Nordens gebührt die Krönung. Von der Aurora Borealis. Dem Polarlicht. Auch Nordlicht genannt. Ein einmaliges Erlebnis, immer wieder anders, nicht vergleichbar mit dem fesselnden Schauspiel von gestern, vorgestern oder letzter Woche. Ein Naturereignis. Für die Vorfahren der samischen Ureinwohner in Skandinavien hatte das Nordlicht etwas sehr Mystisches, Bedrohliches, Göttliches. Auch die Forschung der letzten Jahre, die kaum noch Fragen offen lässt, hat der Faszination dieses Naturschauspiels keinen Abbruch getan. Die Samen – wie die Bewohner Lapplands offiziell genannt werden – können mit dem Phänomen Aurora Borealis zwar emotionsloser umgehen, aber die Bewunderung für das Polarlicht findet jedes Jahr erneut statt. Die Reisezeit für die Nordlichttouren erstreckt sich von September bis März, was letztlich mit der Dunkelheit / Helligkeit des Nordens zusammen hängt. Im Januar ist die längste Phase der Dunkelheit, allerdings auch die kälteste Zeit des Winters. Eine gute Bekleidung für den Nordlicht Ausflug ist dort noch wichtiger als im „milderen“ März. Die Erscheinung der Aurora Borealis – so die wissenschaftliche Bezeichnung für das Polarlicht der nördlichen Hemisphäre – steht im engen Zusammenhang mit den Aktivitäten auf der Sonne. Zur einfacheren Unterscheidung zu dem südlichen Polarlicht (Aurora Australis) sprechen wir hier auch vom Nordlicht. Das Polarlicht entsteht, wie es der Name vermuten lässt, vorranging in Polarregionen, wozu auch Lappland gehört. Durch Eruptionen auf der Sonne werden elektrisch geladenen Teilchen mit einer Geschwindigkeit bis zu 800 km / s freigesetzt und durch einen „Sonnenwind“ auf die Erde transportiert. Auf diesem Weg werden sie vom Magnetfeld der Sonne beeinflusst, wodurch der Eintritt in die Erdatmosphäre mal schwächer, mal stärker sein kann. Wenn die im Magnetfeld der Erde eingetroffenen Teilchen auf die Stickstoff- und Sauerstoffatome treffen, beginnen sie zu leuchten, das Nordlicht ist entstanden. Dieser Vorgang kann ein paar Minuten dauern, sich aber auch über mehrere Stunden hinziehen. Wie bei allen Naturschauspielen kann niemand eine Zusage dafür geben, wann und für wie lange das Polarlicht / Nordlicht erscheinen wird. Die Aktivitäten des Polarlichts unterliegen einem elfjährigen Zyklus. Der letzte Höhepunkt wurde im April 2000 gemessen. Nach Auskunft des Geophysikalischen Observatoriums in Sodankylä, wo das Polarlicht intensiv erforscht wird, lag der Scheitelpunkt des Nordlichts in Lappland zwei bis drei Jahre später, rund 2002 / 2003. Das bedeutet auch, dass wir jetzt den nächsten Höhepunkt vor uns haben, vielleicht aber auch schon mittendrin sind. Es ist davon auszugehen, dass in den Wintern 2014 – 2015, 2015 – 2016 und 2016 – 2017 mit den stärksten Erscheinungen zu rechnen ist. Messungen auf dem Breitengrad von Sodankylä (67° 24′ 57″) haben ergeben, dass das Polarlicht hier rund 150 Tage im Jahr existiert. Letztlich hängt es aber auch vom Wetter ab, wie die Erscheinung des Nordlichts zu sehen ist. Absolute Dunkelheit und ein klarer Himmel sind die Voraussetzungen dafür, das Naturschauspiel in seiner Herrlichkeit erleben zu können. Somit kommen die Monate (September) Oktober bis März in Betracht. Zum Beginn des Winters ist mit stärkeren Schneefällen zu rechnen, die die Sichtbarkeit beeinflussen können, der Januar ist recht kalt, jedoch ist der Himmel dann auch klar – für Nordlichtjäger die ideale Zeit. Aber auch Februar und März sind gute Monate, da hier mit wenig Schneefall zu rechnen ist. Das Nordlicht ist ein unberechenbares Naturphänomen. Zwischen 1620 und 1716 wurden keine Polarlichter irgendwo auf der Erde festgestellt. Seit 1716 wird der Elf Jahre Zyklus registriert, wobei es auch Abweichungen auf neun bis vierzehn Jahre geben kann. Das ist der Norden – der winterliche Norden.

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung zu den Nordlicht Informationen beim Geophysikalischen Observatorium in Sodankylä.

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Rundreise zu den eisigen Highlights Lapplands

Mich hat die Faszination schon seit Jahrzehnten in Ihren Bann gezogen, eine meiner schönsten Reisen habe ich in der Nähe des Polarkreises gestartet.Es war einer dieser vermeintlichen dunk-len und kalten Tage, als die Maschine im schwedischen Luleå, südlich des Polarkreises, aufsetzte um uns dann direkt aus der warmen Kabine in die frische, kalte Luft des winterlichen Schwedens zu entlassen. Nachdem ich mein Gepäck bekommen hatte, begann das Abenteuer auf Zeit. Mit dem Mietwagen fuhr ich weiter gen Norden, in das Grenzstädtchen Haparanda, dem Tagesziel. Dort beginnt meine Reise. Eine Reise, die mir die Vielfalt des arktischen Europas näher bringt. Ich starte am Morgen, nach der ersten Nacht in Lappland, zur Fahrt mit dem einzigen finnischen Eisbrecher, der ausschliesslich für Touristen die Touren unternimmt. Die Sonne steht tief, typisch für diese Zeit im Januar, während das Rumpfbodenschiff durch die Fahrrinne gleitet, um kurze Zeit später den Kurs zu wechseln. Eis, bis zu 80cm dick, liegt vor uns. Der Koloss schiebt sich auf das Eis und bringt es zum Bersten. Ein knarzen und krachen liegt in der Luft, während wir von der Reeling aus dem Kraftakt zuschauen. Jeder Moment der Reise scheint sich zu wiederholen, scheint dennoch neu zu sein. Akustisch, visuell, unterstrichen vom Fahrtwind. Nach rund zweieinhalb Stunden schaufelt er ein Schwimmbecken frei. Der Landgang wird heruntergelassen und wir haben die Möglichkeit, in schützenden Trockenanzügen in das kalte Wasser zu gleiten, dort dem Meer ganz nah zu sein. Atemberaubend. Einmalig. Ungewöhnlich.

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Wo der Weihnachtsmann wohnt

Langsam zieht die Dunkelheit über die See, während der Eisbrecher im Hafen in Kemi anlegt, ich mich verabschiede und meine Fahrt gen Norden wieder aufnehme. In Rovaniemi noch ein Stopp am bekannten Weihnachtsmanndorf, wo ich gleichzeitig den Polarkreis überquere. Zwei Stunden nördlich liegt das nächste Etappenziel. Das beliebteste Skigebiet der Finnen erwartet mich, zwischen dem Levi- und dem Ylläsberg gelegen. Hier bleiben keine Wünsche offen. Da bin ich ganz Geniesser. Ich wohne in einem komfortablen Glas Iglu, wohl temperiert, mit Dusche, WC und Pantryküche – und einem schneefreien Glasdach. Perfekt für die Beobachtung der Nordlichter, die tänzelnd am klaren Nachthimmel violette Vorhänge und leicht wabernde grüne Schleier, die den Himmel in Bewegung setzen, hervorbringen. Faszinierend, die unruhigen Lichtbänder, die mal stärker, mal schwächer scheinen. Und niemand weiss wann sie kommen, wie lange sie bleiben, wie intensiv sie scheinen werden. Eines der unkalkulierbaren Ereignisse in unserer hochtechnisierten Welt, wo alles beeinflussbar zu sein scheint. Morgen werde ich mit dem Schneetöff unterwegs sein. Der Motorschlitten wird mir ein Gespür für die Weite Lapplands geben, wenn wir zwischen Schnee bedeckten Tannen hinausgleiten, um über die tiefgefrorenen Seen zu fahren, dann wird uns die Unendlichkeit des Nordens bewusst werden. Uns in Ihren Bann ziehen. Mehr als die Hundeschlitten, die am nächsten Tag auf dem Programm stehen? Die kleinen Fellmützen, die wacker den Schlitten über die Trails ziehen und nimmermüde ihrer Lust, uns zu ziehen, freien Lauf zu lassen? Nur leichtes knirschen der Kufen wird uns begleiten, und das Hecheln der Hunde, wenn sie zwischendurch ihre Zunge durch den Schnee gleiten lassen, um sich abzukühlen. Bei Minusgraden abzukühlen?

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Übernachtung im Icehotel

Lappland, hier ist alles noch natürlicher. Deswegen sind wir hier, das wollen wir selbst erleben. Die Vielfalt des Nordens ist schon faszinierend an sich, dem haben dann einige Kreative noch eins drauf gesetzt. Das Glas Iglu habe ich schon bewohnt. Die nächste Nacht werde ich im ältesten Eishotel der Welt verbringen. Mit einer Fläche von rund 4 000 m2, werden fast 35 000 Tonnen Schnee und Eis verbaut um alljährlich das ICE-HOTEL mit über 140 Betten zu erstellen. Die meisten Zimmer mit beeindruckenden Skulpturen aus Eis – viel zu schade, um die Augen zu schliessen. Ich werde mich in den Schlafsack kuscheln, um bei Temperaturen von –5° bis –7° eine ruhige Nacht zu verbringen, absolut lautlos. Vielleicht, mal sehen, werde ich vorher noch einen Drink „in the Rocks“ nehmen – aus dem Eisglas. Welches Hotel kann schon von sich behaupten, über 25 Jahre alt zu sein und dennoch jedes Jahr neu gebaut zu werden, um im Juni nur noch ein paar Schneehaufen als Zeitzeugen auf der grünen Wieser zu hinterlassen? Die letzte Nacht verlangt neue Entscheidungen. Soll ich auf einer Rentierfarm wohnen, mit spartanischen Zimmern und Aussentoilette, mit „Rudi red nose“ einen Schneeballwurf entfernt? Ich entscheide mich doch für das Treehotel. Als Kinder sind wir in den Bäumen herumgeklettert, haben uns vor den Eltern in Sicherheit gebracht. Das weckt Erinnerungen. Und Begehrlichkeiten. Die Zimmer sind allerdings weitaus komfortabler als unsere alte Bude in der noch älteren Eiche. Ein bequemes Bett, geräumiger Wohnraum mit Blick in die Weite Lapplands und ein WC. Komfort vom Allerfeinsten – und jedes Zimmer ist anders, unterliegt einem anderen Thema. Mal Vogelnest, mal Ufo, mal „der Spiegel“. Das Fazit meiner winterlichen Nordlandreise?

Die sind schon etwas anders, die da oben im Norden. Aber herzlich, gastfreundlich und hilfsbereit sind sie. Eine ungewöhnliche Reise, mit ausser-gewöhnlichen Erlebnissen. Eben – der Norden Skandinaviens.

Der Göta Kanal – das Blaue Band Schwedens

Immer noch unschlüssig kam mir eine andere Reise in den Sinn. Schweden auf die langsamste Art zu geniessen, die es gibt. Mit den ältesten Kreuzfahrtschiffen, die noch unter Dampf stehen. Juno, Diana und der alte Herr Tham. Drei Monate fahren sie Sommer für Sommer auf dem Göta Kanal zwischen Göteborg und Stockholm hin und her. Wer nur schnuppern möchte, kann die 2-Tage-Tour in Anspruch nehmen. Möchte jemand die die gesamte Strecke oder längere Teile davon geniessen, kann er die 4-Tage-Reise wählen. Klassisch, mit viel Ruhe und ebenso vielen Zwischenstopps, bietet sich die 6-Tage-Reise an. Bis zu 66 Schleusen werden passiert, um von Göteborg nach Stockholm zu kommen. Kanalpassagen, die so schmal sind, dass Gegenverkehr unmöglich ist, gehören ebenso dazu wie die Möglichkeiten, wo man neben dem Schiff entlanggeht. Von Schleuse zu Schleuse. Die MS Diana, auf der ich meine 6-Tage–Reise angetreten habe, verfügt nur über 25 Kabinen, davon gut die Hälfte mit ebenerdigen Betten. Das ist auf den anderen Schiffen ähnlich, jedoch mit mehr Etagenbetten. Dadurch, dass die Schiffe seit 2004 unter Denkmalschutz stehen, haben Sie überwiegend den Charakter eines Schlafwagenabteils in der Bahn, mit Waschgelegenheit und Dusche/WC auf dem Deck. Das stört mich nicht, denn die öffentlichen Bereiche werden ständig gereinigt. Das Publikum ist sehr international, dennoch gibt es eine Deutsch sprechende Reiseleitung an Bord bei den längeren Touren. Ich bin angetan von der Qualität der Küche. Insbesondere auch deshalb, wie es der Crew gelingt auf so engem Raum derartige Gaumenfreuden zuzubereiten. Das Ambiente des Speiseraums, der mit edlen Hölzern und Messing ausgestattet ist, unterstreicht die Atmosphäre. Die Passage, und das gefällt mir besonders daran, ist wie die Reise in einer grossen Familie. Mit vielen Gesprächen, netten Menschen und einer Crew, die für die Arbeit lebt, nicht als einen Job ansieht.

Eines der wohl letzten Erlebnisse Schwedens, an der jedes Jahr nur wenige Gäste – aus Kapazitätsgründen – teilnehmen können.

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Wer, so werden Sie sich jetzt wohl fragen, bietet ein derart umfangreiches Programm in den hohen Norden an. Es ist der Skandinavienspezialist nordic holidays, 1998 unweit von Hamburg gegründet und mit eisiger Erfahrung seit dem ersten Tag sowie Hauptagent der Göta Kanal Schiffe seit 2010. Die wachsende Anzahl Schweizer Gäste zeigt, dass Qualität und Service keine Grenzen hat.

Buchung und mehr Informationen:

nordic holidays gmbh

Marie-Curie-Str. 5

D-25337 Elmshorn

Tel. 0049 – 4121 7911 0

infoservice@nordic-holidays.de

www.nordic-holidays.ch

Bilder: nordic holidays gmbh

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