Zauberhaftes Marrakesch

Metropole zwischen Tradition und Moderne

Marrakesch, die Perle des Südens, ist längst schon kein Geheimtipp mehr, was ihrem Zauber aber keinen Abbruch tut. Noch immer zieht die Stadt mit dem Flair von 1001 Nacht die Besucher in ihren Bann. Noch immer verzaubern auf dem Platz Jemaa El Fnaa die Feuerschlucker, Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler, Wasserverkäufer, Akrobaten, Tänzer, Musiker, Hennamaler, Naturapotheker und Kartenleger die Besucher, wie sie es seit Jahrhunderten tun. Noch immer locken Dutzende von Garküchen allabendlich mit ihren frisch gekochten Leckereien Besucher aus dem In- und Ausland an: Ein Abend auf diesem Platz ist wie eine Zeitreise in eine vergangene Welt, eine Welt, die hier überleben durfte.

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Hinter dem Platz erstreckt sich die scheinbar unergründliche Medina mit dem Souk. Dieser ist eingeteilt in einzelne Sektoren und jeder ist für bestimmte Waren gedacht. In der Hauptgasse Souk Semarine beispielsweise, dem Textilsouk, findet man Läden mit Kleidern, handgewobenen Stoffen und Foulards. Mittlerweile werden hier auch Antiquitäten, Lederhocker, Babouche (Lederpantoffeln), Teegläser und Holzarbeiten angeboten. Im Souk Haddadine hat man sich auf Schmiedearbeiten verlegt, im Souk Zrabia findet man Teppiche in allen Formen und Farben und den Färbersouk erkennt man leicht an der gefärbten Wolle und den gefärbten Tüchern, die zum Trocknen in den Gassen aufgehängt werden. Der Souk Cherratine ist der Ledermarkt, wobei der Gerbersouk ausserhalb liegt, verständlicherweise möchte niemand tagtäglich den dazugehörigen „Geruch“ einatmen. So hat jedes Metier seinen eigenen Souk. Nebst dem Basar birgt die Medina auch ein Labyrinth von Gassen, in denen gelebt wird. Kleine Kinder spielen in den schmalen Strassen, die älteren sind auf dem Weg zur Schule, Frauen schwatzen auf ihrem Weg zum Einkaufen, dazwischen waghalsige Moped- und Velofahrer, wie man sie in der ganzen Welt kennt. Auch der Eselkarren ist noch weitverbreitet, ist die Medina doch für Autos gesperrt. Trotzdem muss Abfall entsorgt, Ware und Baumaterial geliefert werden.

Ebenfalls in der Medina befinden sich die beliebten Riadhotels. Riad bedeutet auf Arabisch Garten, was auch schon das Hauptmerkmal bezeichnet. Ein marokkanisches Riad ist ein traditionelles Haus oder ein Palast mit einem Innenhof, der begrünt ist. Je nach Grösse des Hauses kann der Innenhof lediglich mit einem Brunnen und einigen Pflanzen ausgestattet sein oder aber man findet ein kleines Gartenparadies vor. In denjenigen Riadhotels, die aus mehreren Gebäuden bestehen, wird ein Innenhof gerne auch für einen Swimmingpool geopfert. Rund um diese Innenhöfe sind die Räume angelegt; ebenerdig finden sich häufig verspielte Salons und Esszimmer. In den weiteren Etagen liegen die Zimmer. Die Dachterrasse ist ein Erlebnis für sich: ein Rundumblick auf die Dächer der Altstadt und ihr Leben.

Ein ganz tolles Beispiel für ein mit viel Geschmack und Liebe zum Detail umgebautes Herrenhaus ist das Riad Ilayka, ein Bijou, das seinesgleichen sucht: Auserlesene Dekorationen nicht nur in den sieben Zimmern, aber auch in den verschiedenen Salons, Holzarbeiten aus geschnitztem Zedernholz, eine Sammlung von Gemälden, Kunsthandwerk und antiken Möbeln. Dank der bezaubernden Gastgeberin fühlt man sich in diesem kleinen Paradies willkommen und aufgehoben.

Die zur Relais & Chateau-Gruppe gehörende Villa des Orangers zeigt, was sich mit entsprechendem Sinn für Schönheit und Finanzkraft machen lässt. Das Riad befindet sich am Rand der Medina und wurde 1930 für eine angesehene Persönlichkeit aus Marrakesch erbaut. 1998 erfolgte der Umbau zum Luxushotel, ein Umbau der seinesgleichen sucht, wurden für diesen doch nur die besten marokkanischen Kunsthandwerker ausgewählt. Wer die schwere Zedernholztür durchschritten hat, tritt ein in eine zeitlose Welt der Eleganz: Zimmer und Suiten sind auf höchstem Niveau authentisch eingerichtet, die handgemachten Kissen, Vorhänge und Polster farblich abgestimmt. Vom Schwimmbad auf dem Dach blickt man direkt auf die Koutoubia und Atlas-Berge, der Pool im Garten wird von zart duftendenden Orangenbäumen beschattet. Im luxuriösen Hammam kann man einen der ältesten Bräuche des Orients geniessen.

Saint Tropez des Orients

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Nicht vergessen darf man, dass Marrakesch auch eine pulsierende Grossstadt ist, die mittlerweile Künstler, Modedesigner, Architekten und Innenarchitekten, Show- und Sportgrössen aus aller Welt anzieht. Sowohl für den internationalen wie auch für den nationalen Jetset ist Marrakesch ein absolutes Must geworden, an dem niemand vorbei kommt. Die vielen 5-Sternehotels, Nachtclubs und Restaurants zeugen davon. Dem orientalischen Charme der Stadt sind schon viele Celebrities erlegen und haben sich sogar eine Immobilie angeschafft: dazu gehören David Beckham, Alain Delon, Angelina Jolie und Brad Pitt, aber auch Politiker wie Jacques Chirac und Tony Blair. Marrakesch gilt heute als das Saint Tropez des Orients. Marrakesch hat sich in den letzten Jahren auch zur Top-Golfdestination gemausert. Zu Recht wurde die „Perle des Südens“ für 2015 zur besten Golfdestination Afrikas gewählt. Mittlerweile stehen rund 12 von international anerkannten Golfplatzarchitekten konzipierte Plätze für Spieler aller Stärken zur Verfügung. Wirtschaftlich gesehen kann die Stadt noch nicht mit der Finanz- und Industriemetropole Casablanca mithalten, obwohl sich immer mehr Firmen in Marrakesch ansiedeln. Trotzdem werden die Haupteinnahmequellen weiterhin hauptsächlich aus Handel, landwirtschaftlichen Erzeugnissen und deren Verarbeitung sowie dem Tourismus bestehen. Speziell das milde, trockene Klima am Fusse des Atlasgebirges und die langen Sonnenstunden ziehen immer mehr Europäer nach Marrakesch, ist es doch nur rund 3 Flugstunden entfernt. So empfiehlt es sich geradezu für ein verlängertes Wochenende oder eine Woche, in der man sich verwöhnen lassen und die Seele baumeln lassen kann. Und wem das nicht genug ist, dem bieten sich zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten, die man problemlos in einem Tag machen kann:

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Cascades d’Ouzoud

Die wohl bekanntesten Wasserfälle Marokkos befinden sich rund 150 km nordöstlich von Marrakesch am Fusse des Mittleren Atlas. Sie fallen in drei Stufen rund 110 Meter über rote Felsen in die Tiefe und die Sonne lässt in der Gischt häufig einen wunderbaren Regenbogen erscheinen. Die Ufer sind gesäumt von dichter Vegetation, in denen Berberaffen hausen. Von der Oberkante des Wasserfalls kann man über einen Fussweg nach unten zum Flussbecken wandern, entlang zahlreicher Souvenirläden und kleinen Restaurants und Garküchen mit Ausblick auf die Wasserfälle. Die Cascades d’Ouzoud liegen eingebettet in eine bezaubernde Landschaft mit ausgedehnten Oliven- und Aprikosenhainen sowie Feigenbäumen. Die Fahrt von Marrakesch dauert rund 2 ½ Stunden. Nachdem man die Stadt und Agglomeration hinter sich gelassen hat, bietet sich immer wieder eine tolle Sicht auf grüne Täler, Plantagen und archaische Ölmühlen.

Ourika-Tal

Auch viele Marokkaner entfliehen der Sommerhitze ins schöne Ourika-Tal im Atlasgebirge. Nur 60 km von Marrakesch entfernt, erreicht man es mit dem Auto in gut einer Stunde. Hier zeigt sich deutlich, dass Wasser immer auch Leben bedeutet. Entlang des Flusses findet man viel Vegetation, die sich dann an den Berghängen teils wieder verliert. Im ganzen Tal trifft man den Flusslauf entlang immer wieder auf Picknick-Plätze und kleine Restaurants, wo man sich einfach aber frisch und köstlich verpflegen kann. Auch im Ourika-Tal gibt es Wasserfälle, die sich aber wegen des eher beschwerlichen (teils steilen), wenn auch schönen Weges nur für geübte Wanderer mit gutem Schuhwerk empfiehlt. Lohnenswert ist ein Besuch bei der Schweizerin Christine Ferrari, die sich eingangs des Ourikatals ein kleines Gartenparadies aufgebaut hat. Sie betreibt einen Kräuter- resp. botanischen Garten mit verschiedensten Bäumen wie Avocado, Mango, Papaya. Vermutlich wichtigstes Standbein ist der mittlerweile Bio-Suisse zertifizierte Safran. Es gibt einen geführten Gartenrundgang mit einem Barfussweg und ein lehrreiches Safran-Seminar.

Asni und Ouirgane

Die malerischen Landschaften mit den sehr ursprünglichen Berberdörfern und das ländliche Leben des Atlas lassen Sie in längst vergangene Zeiten eintauchen. Man trifft auf liebliche Täler zwischen spektakulären Gebirgszügen. Ein schöner Kontrastpunkt zu der Bergwelt ist der See Lalla Takerkoust, der ebenfalls auf dem Programm steht. Machen Sie Halt auf einem der Plateaus und bewundern Sie die beeindruckenden, schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas. Das Asni-Tal selber zeichnet sich vor allem durch grosse Apfel-, Walnuss- und Mandelbaumplantagen aus. Die Region von Ouirgane ist eher karg, man trifft hier aber je nach Jahreszeit auf eine Vielzahl von endemischen Pflanzen, aber auch auf Blumen wie Iris und wilden Narzissen.

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Essaouira

Dieses herrliche Städtchen am Atlantik lohnt sich auch für einen längeren Ausflug als nur für einen Tag. Die Gründung geht zwar auf das 7. Jahrhundert v. Chr. zurück, aber mit dem Bau der Hafenbefestigung drückten die Portugiesen der Stadt den Stempel auf. Die Befestigungsanlage besteht bis heute und kann besichtigt werden. Die Stadt wird auch „windy city“ genannt und gilt wegen des fast ständig blasenden Windes als Paradies für Kitesurfer. Die weissen Häuser der Medina mit den vielen Gassen lassen an ein andalusisches Dorf denken. Ein absolutes Muss ist ein Besuch des malerischen Hafens, wo die blau bemalten Holzboote auf den Wellen schaukeln. Am Morgen findet in der Fischmarkthalle der Verkauf des fangfrischen Fisches statt, ganz traditionell durch Ausrufen. An den Essständen beim Hafen sollte man unbedingt die Gelegenheit nutzen, sich einen dieser Fische oder Krustentiere grillieren zu lassen und dann vor Ort zu kosten. Frischer finden Sie die Ware nirgends, ein einfaches Mahl, das aber an Köstlichkeit kaum zu überbieten ist. Ebenfalls bekannt ist die Stadt für die typischen Holzarbeiten, wozu seit der Antike ausnahmslos Thuyaholz verwendet wird. Seit der Hippiezeit erlebt das damals fast vergessene Essaouira einen Aufschwung, logierte doch mit Jimi Hendrix der erste Trendsetter in der Stadt. Dies und all die nachreisenden Künstler, seien es Musiker oder Maler, verhelfen zum Ruf als Künstlerstadt. Mit dem Schritt gehalten hat auch die Hotellerie. Bereits bevor die grossen Ketten wie Sofitel hierherkamen, wurden in der Medina Häuser in Riadhotels umgebaut. Ein besonders gelungenes Beispiel ist die Villa Maroc von der Schweizerin Cornelia Hendry und ihrem Mann Abderrahim Ezzaher.

Marokko für alle: Wüstenreise Plus Pilotreise „Wüstentrekking für Sehbehinderte“

Marokko ist ein Reiseland für jedermann und kann mit entsprechender Organisation problemlos auch von Menschen bereist werden, für die Reisen aufgrund einer Behinderung oder Beeinträchtigung keine Selbstverständlichkeit ist. Positive Erlebnisse, Ausbrechen aus dem Alltag, neue Kraft und Lebensmut tanken sind Ziele dieser Reisen, die – wo nötig – von einem Arzt oder anderen Fachpersonen begleitet werden. Angeboten werden diese Touren durch „Wüstenreisen Plus“, einer Kooperation des auf Marokko spezialisierten Reiseveranstalters Tombouctour GmbH und der Hotel Shima Davos AG. Bis jetzt umfasst die Angebotspalette Reisen für Sehbehinderte und Blinde, Reisen für krebserkrankte Menschen und ihre Familienangehörigen, Reisen für Pflegepersonal, insbesondere aus der Palliative-Care und Onkologie.

Diesen Herbst wurde die Pilotreise „Wüstentrekking für Sehbehinderte“ durchgeführt. Um es gleich vorwegzunehmen: die Reise war „in den Augen“ aller Beteiligten ein durchschlagender Erfolg. Gestartet wurde in Zürich, wo sich 2 Blinde, 5 Sehbehinderte, 2 Reiseleiter und 8 Betreuer am Flughafen für das gemeinsame Check-in trafen. Der eher lange Flug über Casablanca brachte die Gruppe für die erste Übernachtung nach Ouarzazate im Süden von Marokko. Am nächsten Tag ging es dann mit dem Bus das Draatal entlang bis an den Rand der Wüste ins Hotel Chez le Pacha. Von hier wurde am nächsten Tag das grosse Abenteuer Wüstentrekking gestartet. Viele der Teilnehmer, sowohl Sehbehinderte wie Betreuer, kannten sich bereits von früheren Wanderungen oder Langlauftouren in den Alpen. Aber Wüste? Das war doch ein Wagnis der besonderen Art. Ein Wagnis, das sich für alle Beteiligten gelohnt hat. Und damit möchte ich die Beteiligten direkt zu Wort kommen lassen:

Maria T., Reiseteilnehmerin (blind):

Auszug dem Reisetagebuch: Nach einer erholsamen Nacht gab es um 8:00 Uhr Frühstück. Vorher mussten wir jedoch schon unser Gepäck bereit legen, damit es auf die 20 Dromedare verteilt werden konnte. Und dann ging es endlich los! Die Dromedare wurden von den 8 Berbern gesattelt, mit Körben beladen, Decken darüber, sodass wir dann später bequem reiten konnten. Nach einiger Zeit und weiteren Informationen über die Tiere, liefen wir los durch das letzte Dorf vor der Wüste. Ksar Bounou heisst es. Die Häuser sind aus Lehm gebaut und sehen sehr einfach aus. Auch wirkte es auf den ersten Blick so, als wäre es verlassen und unbewohnt. Aber wir liefen tatsächlich an Menschen vorbei, die hier zu leben scheinen. Während dem Laufen durch die Wüste erklärte mir Robert, dass die Steine unter meinen Füssen diverse Farben hatten. Nach etwa einer Stunde hielten wir an einem ausgetrockneten Flussbett, wo wir auf die Berber trafen, die mit dem Dromedaren einen anderen Weg vorausgegangen waren. Mein Kamelführer Youssef führte mich zu meinem Tier „Ngal“, welches mich für die nächsten paar Tage begleitete. Dann ritten wir los zu unserem lauschigen Mittagsplätzchen unter Palmen. Dort zeigte mir Monika das Dromedar, erklärte mir alles und ich konnte es berühren, komplett ertasten und auch füttern. Unter den uns Schatten spendenden Palmen, assen wir dann z’Mittag. Nach einem Schläfchen ging es weiter, zuerst auf dem Dromedar, dann zu Fuss. Das Reiten ist noch etwas gewöhnungsbedürftig. Vor allem das Aufstehen des Tieres ist speziell. Man muss sich stets gut festhalten. Das Dromedar kniet zuerst auf seine vorderen Unterbeine, dann steht es mit seinen Hinterbeinen ganz auf und zum Schluss streckt es noch seine Vorderbeine ganz durch – wie das wackelt! Und wenn sie über Sanddünen laufen muss man sich besonders gut festhalten. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir die Dünen, in welchen wir unser Nachtlager aufstellten. Jeder durfte sich sein eigenes Schlafplätzchen aussuchen. Ich fand eine gute Nische zwischen Robert und Catherine. Bevor wir das Nachtessen bekamen, lief ich mit Catherine und Sepp durch die Dünen. Am höchsten Punkt trafen wir auf einige andere und wir genossen gemeinsam den Sonnenuntergang. Bettina schilderte mir lebhaft, wie sie langsam am Horizont verschwand und den Himmel in wunderbare Farben eintauschte.

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Adrian Z., Chefbetreuer:

Nach zwanzig Jahren Erfahrung als Begleiter von Blinden und Sehbehinderten auf den Langlaufskiern habe ich mich mit Wüstenreisen Plus auf völlige neue Pfade gewagt – ein Trekking in der Wüste. Das Erlebnis war einmalig, die intensive Zeit draussen in der Natur, mit den Drome-daren und dem wunderbaren Ster-nenhimmel ist unübertrefflich. Dies mit einem voll blinden Menschen zu teilen, sich auszutauschen über seine Empfindung und das Glück zu haben, die visuellen Bilder ihm zu ergänzen, war eine sehr eindrückliche und spannende Erfahrung. Höhepunkte waren sicher die gemeinsamen Sonnenaufgänge – ich visuell, er über die Wärme – einmalig. Trotz 24-stündiger Begleitung und Betreuung konnten wir die Woche wunderbar geniessen, dies sicher nicht zuletzt, weil es einfach nichts anderes gab als die Mitglieder der Gruppe, die Dromedare, viel Zeit, viel Ruhe, ein langsamer, beschaulicher Tag und absolut keine Fremdeinflüsse – zurück zum Ursprung. Was mich ebenfalls faszinierte, war das grosse Gespür, das die Berber für die ganze Gruppe hatten und die wunderbare Verpflegung, die sie täglich liebevoll für uns zubereiteten. Einmalig war auch die symbiosenhafte Verbindung der Sehbehinderten mit ihren Dromedaren. Es gäbe noch viel zu erzählen – dies würde aber den Rahmen sprengen. Meine Empfehlung – selber erfahren.

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Cornelia W., Mitorganisatorin:

Der Mut der Menschen mit Sehbehinderung auf ungewohntem Boden neugierig vorwärts zugehen berührt mich sehr und sogar auf dem Dromedar sitzend, ist ihre Abenteuerlust grösser als die Angst. Nach zwei Tagen sitzen die Menschen, die sich nicht mit den physischen Augen orientieren können, wie Königinnen und Könige auf ihrem Dromedar. Nur bei näherem Betrachten fallen Unterschiede zu den sogenannt Sehenden auf, so wirken die Menschen mit Sehbehinderung in sich gesammelt, in konzentrierter Meditation, der Blick scheint aus der Körpermitte zu kommen und der ganze Körper ist sehend. In Heiterkeit, Gelassenheit und Humor begegnen diese Menschen den kleinen Missgeschicken des menschlichen Lebens, anstatt im Schreck des Unvorhergesehenen zu erstarren lachen sie von Herzen über sich und die Andern und das ist wohltuend und heilend. Die Schönheit der Wüste wird über die Anwesenheit der Menschen mit Sehbehinderung noch hervorgehoben. Wenn ihre Silhouetten und die ihrer Begleiter in der Abendsonne auf der Düne erscheinen und sie in mehreren Zweiergruppen über die Dünen gehen, leuchten ihre Körper, sie selbst erkennen durch die Wärme und das Licht, die Sonne und Himmel und Erde sind ganz nah. Voller Aufregung fiebern wir gemeinsam dem Sonnenaufgang entgegen, ein riesengrosses Farben-Licht-Spektakel, das nicht nur mit den physischen Augen, sondern über alle Poren wahrgenommen wird. Ein abschliessender Jauchzer befreit Lebenskraft und öffnet Herzen. Die Menschen mit Sehbehinderung haben einen grossen Reichtum an inneren Bildern. Und es ist eindrücklich mit wie wenigen Worten von uns Sehenden, sie ihre farbige Welt der Formen und Gestalten erschaffen können.

Elsbeth M., Reiseteilnehmerin (sehbehindert):

  • Reiten auf dem Dromedar
  • Abenteuerliches Auf- und Absteigen
  • Geführt und getragen werden
  • Vertrauen in die sicheren Schritte des Dromedars bekommen
  • Stabilität in der Mitte finden und dennoch beweglich bleiben
  • Scheinbar gemächliches Vorankommen
  • Glück und Dankbarkeit
  • Licht- und wärmespendende Sonne
  • Wunderschöne Farben und Formen in der Wüste
  • Eindrucksvoll zieht die Karawane über die Dünen
  • Gemeinschaft erleben und spüren
  • Im Schatten einer Tamariske rasten
  • Dem eigenen Dromedar Orangenschalen bringen
  • Den Tee und das feine Essen geniessen
  • Ein kühler Windhauch in der Mittagshitze
  • Nicht gebunden sein an schmale Wege
  • Freiheit der Weite erfahren
  • Zusehen, wie die Sonne hinter den Dünen versinkt

Beratung und Informationen:

Tombouctour GmbH, Reisespezialist für Marokko

Tel. 043 205 25 00, www.tombouctour.ch

Text: Monika Grunder Dakhamat

Bilder: Tombouctour, Monika Grunder Dakhamat

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